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Der Superstar
schwächelt Hilflos gegen Krankheitserreger Weil Antibiotika allzu leichtfertig
verschrieben werden, wirken sie immer weniger. Das kann tödliche Folgen haben
Statt die Keime zu bestimmen, greifen viele Ärzte
immer gleich zu einem Breitband Seien Sie kritisch Antibiotika sind keine Wunderpillen. Damit
sie im Ernstfall helfen, sollten sie für diesen aufgespart werden.
Fragen Sie
Ihren Arzt also: Brauche ich die wirklich? Wenn ja, sollten Sie sie gewissenhaft
einnehmen solange und in der Dosis wie vorgeschrieben.
Der Klassiker beim
Arztbesuch: Ein Patient kommt mit einer Erkältung in die Praxis, der Doktor verschreibt ein Breitbandantibiotikum.
Vielleicht fragt der Kranke noch, ob es nicht auch ein weniger starkes Mittel
tue. Doch spätestens, wenn der Arzt sagt, man wolle doch kein Risiko eingehen
und die Krankheit so schnell wie möglich wieder loswerden, schmilzt der
Widerstand.
Mit dem Rezept in der Hand geht‘s ab zur nächsten Apotheke. Szenen wie
diese sind hochgefährlich. Denn je öfter und leichtfertiger Antibiotika
geschluckt werden, desto seltener wirken sie, Der Freiburger Umweltmediziner
Prof. Franz Daschner warnt: »Die wachsende Antibiotika- Resistenz ist weltweit
eines der größten lnfektionsprobleme geworden.
Es geht aber auch anders, bauen Sie Ihr Immunsystem auf dann sind Sie
auch geschützt. Wie man sich Immunisieren kann und mit welchen Mittel
man seinen Körper stärkt, fragen Sie uns wir helfen gerne.
Naturphänomen Dabei treten
Keime, die sich von Antibiotika nicht beeindrucken lassen, normalerweise so
selten auf wie Menschen mit Schuhgröße 55. Eine
von etwa 10 bis 1000
Millionen Bakterienzellen ist gegen ein bestimmtes Antibiotikum weniger
empfindlich. Sie sind deshalb in der Minderzahl, weil sie sich schlechter als
»normale« Keime vermehren können. Werden jene aber durch Antibiotika zerstört,
erobern die resistenten Vettern das Terrain.
So weit, so normal. Kritisch
wird es jetzt, weil eine Reihe von Faktoren zusammenkommt. Die Zahl der gut
wirksamen Mittel nimmt ab. Immer mehr Ärzte verschreiben gleich die so genannten
Reserve-Antibiotika, die eigentlich nur für den Fall gedacht sind, dass die
Erstbehandlung nicht anschlägt. Und die Forschung lahmt. Bis 2011
sind gerade mal sieben Neuentwicklungen angekündigt, nur halb so viele wie
bislang in vergleichbarem Zeitraum. Der wichtigste Grund für den Vormarsch der
Mikroben ist aber der zum Teil ungezügelte Einsatz von Antibiotika.
Allein die niedergelassenen
Ärzte verschrieben 2006 den gesetzlich
Versicherten fast Millionen Packungen, macht eine halbe für jeden Bundesbürger.
Hinzu kommt der Einsatz in den Krankenhäusern und in der Massentierhaltung.
Zwar ist der Einsatz von Antibiotika als Mastbeschleuniger seit 2006
in Europa verboten. Um Krankheiten in der Massentierhaltung vorzubeugen, werden
sie aber immer noch großzügig angewandt. Eine
Mitschuld tragen auch die Patienten, die Therapien nach kurzer Zeit abbrechen,
weil der Husten aufgehört hat.
Dabei bedeutet das
Verschwinden der Symptome nicht, dass auch sämtliche Krankheitserreger bereits
beseitigt sind.
Wunderwaffe Penicillin Dabei
sah es vor 80 Jahren so aus, als sei der Kampf
gegen Infektionserkrankungen entschieden. Der Bakteriologe Alexander Fleming
harte entdeckt, dass eine Bakterien-Kultur, die mit dem Schimmelpilz
Penicililum verunreinigt war, zugrunde ging. Inzwischen gibt es 15
unterschiedlich wirkende Antibiotikaklassen. Rund 80
Substanzen sind in Deutschland im
Einsatz.
Die eigentliche Bestimmung
der Medikamente ist denn auch nach wie vor sinnvoll. »Sie sollen dem
Immunsystem helfen, wenn es mit den Keimen überfordert ist. Sei es, weil es aus
Krankheits- oder Altersgründen nicht stark genug ist oder die Keime zu
aggressiv oder zahlreich sind«, erklärt Daschner.
Einqebüßt Weil diese Grundregel aber immer mehr missachtet wird,
haben wichtige Antibiotika enorm an Schlagkraft eingebüßt. So tun sich die
Makrolide immer schwerer mit der Bekämpfung von Atemwegs- und Mittelohrentzündungen
— bis zu 30 Prozent der dafür verantwortlichen
Pneumokokken sind resistent. Fluorchinolone ziehen bei Harnwegsinfektionen mit
den Escherichia coli-Keimen immer häufiger den Kürzeren. Und Methidilhin
versagt öfter als früher beim Staphylococcus aureus, der u. a. Wundinfektionen
verursacht.
Gezielt angreifen Weil die Mediziner das wissen, greifen sie
vorauseilend gleich zum Breitband-Antjbjotjkum — und machen dadurch alles noch
schlimmer. Die Chance, den Keim zu erwischen, ist mit ihnen zwar größer, jedoch
um den Preis, dass auch die nützliche Bakterienfiora zerstört wird. Die Ärzte
»sollten sich mehr bemühen, die Erreger und deren Empfindlichkeit zu
bestimmen«, mahnt Professor Daschner.
Antibiotika nur einsetzen, wenn es gar nicht anders geht
Die Frage ist aber nicht
nur: Welches ist das richtige Antibiotikum, sondem braucht es überhaupt eines?
Infekte der oberen Atemwege sind das Paradebeispiel. 90—95
Prozent werden von Virenverursacht, gegen dieAntibiotika machtlos sind. Und
doch bekommen bis zu vier von fünf Patienten eines verordnet. Schadet ja
nichts, werden Sie meinen. Von wegen. Eine Studie hat gezeigt: Ein paar Tage
Antibiotika bei Gesunden genügen, um aus der normalen Rachenfiora ein kreuz
gefährliches Gemisch zumachen. Der Anteil Makrolid-unempfindlicher Keime stieg
von 30 auf 90
Prozent. Nach sechs Monaten waren es immer noch über 50.
Kein Problem, solange es dem Immunsystem gut geht — aber wehe, die Erreger
treffen auf eines, das schwächelt Darum:
Antibiotika nur, wenn sie wirklich sein müssen. Das sollten auch Patienten
einfordern. Wann immer es geht, pflanzlichen Antiinfectiva den Vorzug geben.
Und wenn die Entscheidung für den Keimkiller gefallen ist, Dosis und Dauer
korrekt befolgen.
MARTIN BRAUN
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